SYSTEM:           GCN - PAL
ENTWICKLER:
Konami

GENRE:             Sport
SPIELER:          1-2 Spieler
HANDBUCH:    Deutsch
MEMCARD:      2 Seiten
60Hz Modus:      NEIN

SCHWIERIGKEIT:    1-10
SECRETS:                JA
SPRACHHÜRDE:    Keine
PREIS:                       ca.60 Euro
TERMIN:                     Erhältlich

Dieser Testbericht wurde geschrieben von Kilian Pfeiffer am 06.06.2002


CHEATS: NEIN
KOMPLETTLÖSUNG: NEIN
TIME TRIAL / SCORES: NEIN

Snowboard-Titel an sich sind auf dem Gamecube eher eine Rarität und man wird im Allgemeinen nur durch einen Blick durch die Lupe fündig. Zwar gibt es bereits seit längerem "SSX Tricky", auf viel mehr Herausragendes wird man hingegen nicht stoßen. Immerhin sind zwar für die nahe Zukunft weitere potenzielle Snowboard-Spektakel wie "1080" und "SSX 3" angekündigt, die Zeit bis dahin wird für Fans solcher Titel aber eine wahre Durststrecke, die sich gewaschen hat. Unverhofft erschien daher am 08.04. "Evolution Snowboarding" von Konami, das neben "Evolution Skateboarding" denselben Wurzeln entspringt. Schwerpunkt des Spiels ist bei Leibe etwa nicht ein "Rennen"-Modus, vielmehr müsst Ihr, ähnlich wie in oben genanntem Skateboard-Ableger, eine Menge an Aufgaben erledigen, die sich über acht Levels verteilen, wobei man in jedem Abschnitt zehn Missionen vorgelegt bekommt. Doch bevor ich ins Eingemachte gehe, werfen wir zuerst einen Blick auf die technische Seite des Spiels. Im Gegensatz zu "Evolution Skateboarding" (27 Seiten) begnügt sich unser Titel mit bescheidenen zwei Seiten auf der Memory Card, den 60-Hertz-Modus sucht man leider auch hier vergebens, was jedoch nicht unbedingt weiter schlimm ist. Auffallend - bereits zu Beginn des Spiels - sind hingegen die Vielzahl an Markenlabels, die man für den Titel gewinnen konnte. Neben "Burton", "DC Shoes" sowie "Airwalk" findet man ebenso bekannte Labels wie "Vans", "Rossignol" oder "Oakley". Verwendung finden die Markennamen auf den insgesamt 300 Ausrüstungsgegenständen, die man innerhalb der Missionen finden kann. Für sammelwütige Frohnaturen, ein Paradies zum Austoben ;-) ! Ebenso überrascht war ich vom Sound, der mir gleich zu Beginn entgegenhämmerte. Bands wie "Slipknot", "Chimaira" oder "Murderdolls" geben sich bei "Evolution Snowboarding" ein Stelldichein und beanspruchen Eure Fernseherboxen bis zum Äußersten, da deren Musikrichtung - gelinde gesagt - doch eine etwas härte Gangart einschlägt. Zwar nicht unbedingt mein Musikstil, Fans sollte es aber dennoch zuhauf geben. Obwohl die Story des Spiels bestimmt keinen Preis für besondere "Kreativität" kassieren könnte, ist sie trotz allem einen Schmunzler wert: Irgendwann im 21. Jahrhundert breitet sich, ohne großartige Vorankündigung, eine bedrohliche Klimaveränderung aus, die das komplette Gleichgewicht unseres Ökosystems durcheinander bringt. Ebenso merkwürdig sind die Neuankömmlinge, die es sich auf unserem Heimatplaneten gemütlich machen und in allen Regionen dieser Welt für massive Unruhe sorgen. Es liegt nun an einer Handvoll Snowboarder, den so genannten "Boardroids", den Garaus zu machen.


Um diese schwere Bürde Snowboarder-gerecht zu meistern, müsst Ihr nun in acht großen Levels die verschiedensten Aufgaben lösen und den Bossgegner aus dessen jeweiligem Bereich vertreiben. Das Hauptmenü des Spiels gliedert sich in den "Evolution Mode", der das eigentliche Herzstück des Titels darstellt. Des Weiteren findet Ihr hier den "Duel Mode", einen Mehrspieler-Modus für zwei Spieler, auf den ich am Ende des Tests noch kurz eingehen werde, sowie den "Quick Mode", in dem man direkt und ohne überflüssige Einstellungen, diverse Aufgaben ausführen darf. Letzter Punkt sind die Options, die Veränderungen am Controller, dem Sound, der Kameraeinstellung und der Spracheinstellung (drei Sprachen) erlauben, wobei es vier unterschiedliche Kamerapositionen gibt, die von "sehr nah" bis "weit weg" reichen. Üblich und am gelungensten ist die "normale" Einstellung, da sie meiner Meinung nach den besten Überblick gewährt und auch für Einsteiger geeignet ist. Vom Evolution Mode aus, dem Kern des Spiels, habt Ihr nun Zugriff auf die unterschiedlichsten Optionen, die von den "Missions" bis zu den charakterspezifischen "Profiles" reichen. Ihr könnt Eure Fahrkünste in einem Tutorial perfektionieren und Euch den gesamten, bebilderten Katalog der im Spiel enthaltenen Ausrüstungsgegenstände betrachten. Ebenso findet Ihr hier eine Liste an "Videos", die Ihr auf den einzelnen Spielstrecken finden könnt und die Euch Musikvideos sowie Werbefilmchen offenbaren. Desgleichen dürft Ihr Euren Wunschcharakter mit den verschiedensten Kleidungsstücken sowie Snowboarding-Accessoires ausstatten und diesen dann - im neuen Outfit - über die Strecken gen Ziel hinunterjagen. Habt Ihr einen Charakter ausgewählt (wobei man am Ende des Spiels insgesamt zehn Snowboarder freigespielt hat) und seid mit den Einstellungen zufrieden, könnt Ihr Euch nun der ersten Area widmen, die wiederum in zehn Unterkapitel aufgeteilt ist. Naturliebhaber kommen ebenso auf Ihre Kosten (Falls and Creeks) wie brachiale Kriegsveteranen (Battle Front). Ebenso schlittert Ihr über ein weit angelegtes, am Berghang gelegenes Ölfeld (Boom Town) und brettert durch ein unheimliches Schloss, dass von einem düsteren Wald umgeben ist (Bat Castle). Hier merkt man bereits, dass der Trendsport "Snowboarding" weitgehend entfremdet wurde und das Brett unter des Fahrers' Füßen neben dem Schnee mit vielen anderen Untergründen in Verbindung kommt. Die Missionen an sich sind abwechslungsreich im Bezug auf die Aufgaben, die Ihr zu erledigen habt; wenn man genauer hinsieht, erkennt man aber, dass sich die Aufträge im Grunde sehr ähneln und beispielsweise nur durch unterschiedliche Objekte, die Ihr einsammeln sollt, voneinander zu unterscheiden sind.

Oftmals sollt Ihr eine bestimmte Anzahl an farbigen (blau, gelb, rot) Objekten einsammeln, wobei diese an teilweise aberwitzigen Stellen platziert sind und nur durch ausreichende Streckenkenntnisse einkassiert werden können. Weitere Missionen, die es zu erledigen gilt, sind zum Beispiel Feinde, die Ihr mit deftigen Handkantenschlägen oder Waffen wie Baseballschlägern oder Eisenketten während der Fahrt ausknocken müsst. Mit der Zeit und daher mit aufsteigendem Level, kann es schon einmal vorkommen, dass Ihr bis zu 40 Gegner von ihren Brettern donnern sollt. Ebenfalls begegnet Euch in "Evolution Snowboarding" der übliche "Time Attack"-Modus, in dem Ihr lediglich innerhalb des Zeitlimits das Ziel erreichen müsst. Durch das Durchfahren von Checkpoints wird Eurem Zeitkonto zusätzliche, immens wichtige Bonuszeit gutgeschrieben, die Ihr für eventuelle Stürze oder Fahrfehler braucht. Des Weiteren sollt Ihr zu einem bestimmten Zeitpunkt eine gewisse Anzahl an Schlüsseln von der Strecke aufsammeln, ebenso wird Euch die Aufgabe gestellt ein komplettes Dinosaurierskelett aus seinen Einzelteilen zusammenzusetzen. Derartige Aufträge sind einerseits auch für absolute Anfänger problemlos zu schaffen, andererseits ist es mächtig schwer in den Missionen mit der Gold-Medaille abzuschließen. Wie Ihr seht kann man jede einzelne Mission unter dem Gesichtspunkt der Medaillenjagd betrachten, Freunde derartigen "Extremsports" werden bei diesem Titel bestens bedient. "Bronze" ist generell kein Problem, die Messlatten für "silber" respektive "gold" sind manchmal aber so anspruchsvoll, dass man schon hin und wieder in's Grübeln kommt wie man das nur schaffen kann. In jedem der insgesamt acht Levels gibt es darüber hinaus einen Bossgegner, der jedoch immer nach demselben Schema besiegt werden muss: mit Euren Fäuste und Waffen. Obwohl die Endgegner neben Elektroschocks auch Granaten sowie Maschinengewehrfeuer Euch entgegenzusetzen haben, stellen sie trotzdem keine besondere Schwierigkeit dar und sind durch die Bank weg machbar. Dagegen nicht ganz so leicht zu handhaben ist die Steuerung Eures Protagonisten. Leider reagiert der Fahrer auf Eure Befehle mit einer anständigen Verzögerung, die Euch des Öfteren an wichtigen Objekten wie Waffen oder Bonusausrüstungen vorbeifahren lässt. Obwohl Ihr hin und wieder einige Stunts in Halfpipes ausführen müsst um an Punkte zu kommen, wurde dieses Spielsegment im Grunde komplett vernachlässigt: es gibt weit und breit keinen "Stunt"-Modus, die verfügbaren Tricks sind auf ein paar wenige runtergeschraubt und daher nicht mehr als eine Erwähnung wert. In meinen Augen für einen Snowboardtitel mehr als enttäuschend.


Obwohl der Umfang des Spiels lobenswert ist, kommt auf Grund des fehlenden roten Fadens keine rechte Spielmotivation auf, man erledigt eine Aufgabe nach der anderen, hin und wieder darf man eine - technisch grottenschlechte - Zwischensequenz begutachten und ist nach einigen Spielstunden schlussendlich am Ende des Spiels angekommen. Keine Frage, dass Spiel macht auf eine gewisse Art und Weise Spass, alles wirkt jedoch unausgereift und technisch veraltet. Obgleich der Streckenumfang überzeugen kann, die grafische Darstellung sowie das immergleiche Spielprinzip können das leider nicht und versenken "Evolution Snowboarding" letztendlich irgendwo im Mittelmaß. Ständig erkennt man am unteren Bildschirmrand den grafischen Aufbau der Levellandschaft, Pop-Ups sind an der Tagesordnung und für ein Next-Generation-Game ein Unding. Die Charakteranimationen sind allerdings gut gelungen, wobei man bei der Gegner-KI nur noch den Kopf schütteln kann: derartige trottelige Fahrer gibt es wohl in keinem anderen Videospiel. Zum einen rasen sie unverfroren in jedwedes hochexplosives Fass, zum anderen erklimmen sie grundlos die Levelbegrenzungen auf der linken und rechten Seite des Bildschirms, ständig begleitet von unschönen Clipping-Fehlern. Auch die verwaschenen Texturen sind nicht besonders förderlich im Bezug auf die grafische Gesamtnote. Besonders negativ aufgefallen sind mir die Zwischensequenzen, die im Gesamten unscharf und einfach billig umgesetzt wirken - für die Motivation ist so etwas nicht unbedingt dienlich. Beim Sound hingegen hat man sich nicht lumpen lassen und - wie oben beschrieben - bekannte Bands der Plattenlabels "Roadrunner Records" engagiert. Anfangs konnte ich mich mit derartigem Sound noch ganz gut anfreunden, mit der Zeit geht einem aber der aggressive Gesang auf die Nerven und man spielt doch schon hin und wieder mit dem Gedanken diesen auszustellen. Da der Umfang des Spiels wirklich ansprechend ist, sind besonders diejenigen unter Euch gefordert, die bis zur letzten Goldmedaille vordringen wollen. Wenn Ihr das wirklich vorhabt, seid Ihr mit diesem Titel über Tage hinweg beschäftigt. Multiplayer-Freunde können zwar zu zweit um den Sieg fahren, auf Grund des läppischen einzelnen Modus' kommt aber keine Langzeitmotivation auf. Schade, denn wenigstens hier hätten die Entwickler punkten können. Fans des Snowboard-Sports, denen waschechte Rennen und coole Stunts am Herzen liegen, sollten deshalb weiterhin auf die kommenden Genrevertreter warten. Allen anderen rate ich zuerst Probe zu spielen.

PLUS - MINUS LISTE

+ großer Umfang
+ viele freispielbare Objekte
+ abwechslungsreiche Umgebungen

- keine zeitgemäße grafische Darstellung
- Titel nicht wie aus einem Guss
- Multiplayer zu dürftig
- schlechte Zwischensequenzen
- kein "Stunt"-Modus
- dümmliche Gegner-KI

ZUSATZINFOS / LINKS

- Entwickler Konami
- GameCube Memcard
- GameCube Controller

 

KONKURRENZ

- SSX Tricky
- Dark Summit

WERTUNG

GRAFIK:
64%

MUSIK/SOUNDEFFEKTE:
69%

MULTIPLAYER:
69%

GESAMTWERTUNG:
67%

 

Meinungen, Anregungen und sonstiges zum Test bitte an info@mag64.de

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