Leserbrief zum Thema des Monats November

Von Oliver Mühleisen .

Hey und Hallo, Matthias !

Gamebuster, Gameshark, Exploder, Schummelmodul oder Game Killer. So oder ähnlich lauten die Namen dieser Zusatzgeräte. Viele kaufen und benutzen sie, egal auf welcher Konsole man nun spielt. Gerne will ich mich da outen und zugeben, daß ich so ein Teil auch habe und ab und zu auch benutze. Im Editorial zu diesem Thema spiegelt sich die Meinung vieler Profis und Langzeitspieler wieder, die da lautet, daß solche Geräte den Spielspaß mindern und die Motivation auf der Strecke bleibt. Zum Teil gilt die Benutzung solcher Schummelmodule als Eingeständnis kein "echter" oder gar guter Gamer zu sein. Dem möchte ich entschieden widersprechen. Natürlich gibt es Leute, die wollen diese Dinge nicht benutzen. Mit viel Übung und oft noch mehr Glück erreichen diese Leute dann auch den letzten Level und spielen so ein oder mehrere Zusatzlevel, Spiele oder Kämpfer bzw. Fahrzeuge frei. Manche sind auch von Natur aus eben einfach begabter und brauchen diese Schummelmodule nicht. Doch da fast jede Zeitschrift die dazugehörigen Codes abdruckt und jeder Laden solche Geräte im Programm hat, gehe ich davon aus, daß diese Leute eine - beneidenswerte - Minderheit darstellen. Natürlich stimme ich Matthias zu, wenn er sagt, daß der Spaß zu kurz kommt. Aber dies ist nur eine Seite. Zu Beginn des N64 gab es kaum Spiele, die das Schummelmodul wirklich notwendig gemacht haben. SM64 war - eventuell mit ein paar Tips eines Spieleguides - machbar. SOTE war auch zu bestehen, obwohl schon wesentlich härter. TUROK war gerade in den letzten Levels ganz schön happig. Viele haben da auch schon die "normalen" Cheat-Codes benutzt. Mit an der Spitze der schwierigen Spiele zählt auf alle Fälle DOOM64 und GOLDEN EYE. Wer diese Spiele ohne Cheat oder Code durchspielen konnte, dem erweise ich grenzenlosen Respekt. Selbst manche Fans von Blast Corps oder Wave Race64 haben zum Schluß hin sehr gestönt. Nicht die Spieler sind schlechter geworden, sondern die Spiele sind schwerer geworden. Wer also nicht fast jeden Tag spielen will oder kann, der hat mit dieser Entwicklung einfach so seine Probleme. Sicherlich sollte man den Einsatz eines Gamebusters sich reiflich überlegen. Ich bin der Meinung, daß er dann sinnvoll ist, wenn man nun wirklich stecken bleibt und trotz mehrtägigen Versuchen kein Erfolg hat. Sobald der Frust nämlich überwiegt, verliert das Spiel auch an Reiz. Man hat dann die Wahl zw. dem sich eh nicht einstellenden Spielspaß und dem Schummeln. Die Verlockung ist zwar groß, die Unverwundbarkeit z.B. einfach aktiviert zu lassen, doch dies muß jeder selber entscheiden. Tut man dies dann aber, sollte man sich aber auch nicht über die fehlende oder reduzierte Spielfreude beschweren.

Hinzu kommt noch, daß man für ein Modul bis zu 200 DM gezahlt hat und man einfach alles dafür sehen will. Der 007-Modus bei GOLDEN EYE bietet allerlei zum Rumspielen. Doch ich hätte ihn nie ohne Code bekommen. Auch habe ich manche Levels erst mit und dann ohne Cheat gespielt - nur um zu sehen, wie weit ich komme. Nicht selten hats dann doch ohne Code funktioniert.

Ein großer Nachteil ist jedoch der fehlende und zeitnahe Nachschub an aktuellen Gamebuster-Codes. Diese sind - wie auch die "normalen" Cheats - oft erst lange nach dem Erscheinen erhältlich. Auch hier hat die PAL-Spielerfront das Nachsehen, denn für die US-Module stehen meißtens schon ein oder zwei Tage nach Erscheinen des Spieles die Codes im Internet zum Abruf bereit - kostenlos.

Ich denke, man sollte nach dem Grundsatz verfahren: "Die Menge macht das Gift !" Wer sich ein Spiel kauft und gleich mit den Codes das Spiel beginnt, der bestraft sich und die Entwickler des betreffenden Spieles ! Bei SM64 braucht man z.B. keine 99 Leben. Auch sind bei Banjo-Kazooie keine unendlich roten Federn von Nöten, um das Spiel erfolgreich abzuschließen. Wer sich gleich alle 100 Münzen oder 100 Noten pro Level per Gamebuster freischaltet, der beraubt sich selber um den Reiz des Erforschens. Doch auch hier gilt: wems gefällt, der soll es tun. Jeder sollte die Möglichkeit haben, sein Spiel so zu genießen, wie er es für richtig hält. Man hat ja schon genug Reglimentierung per BPjS z.B.. Da brauch es nun wirklich keine Regelungen für den Einsatz von Schummelmodulen mehr. Wer jedoch eine Unverwundbarkeit in den letzten Leveln von GOLDEN EYE als Code eingibt oder auch in den letzten Leveln von FORSAKEN oder DOOM64 bzw. QUAKE64, der ist m.E. nicht zu verurteilen.

Mittlerweile gibt es schon ganze Hefte, die nichts anderes als Codes und Cheats zu den auf dem Markt befindlichen Spielen beinhalten. Der Absatz und die Nachfrage ist enorm. Prämien für neue Cheat sind normal. Verbindungskabel etc. zu Computern, die per Programm diese Codes ermitteln sind der Renner. Interessant ist die Tatsache, daß der Wunsch, solche Codes wenigstens zu besitzen, konsolenübergreifend ist. Jeder PC-Gamer und jeder Konsolenspieler hat solche Codes und Cheats - zumindest weiß er, wo er sie herbekommen kann. Warum verkaufen sich die Spieleberater (bis zu 40 DM das Stück) denn so gut ? Weil die Hersteller dabei nämlich kräftig mitverdienen. Somit ist die Schwierigkeit in den Spielen doch gewollt und wird gefördert. Es ist eben ein zusätzliches Geschäft. Wenn für Tomb Raider II mehr Spieleberater als CD´s über den Ladentisch gehen, dann zeigt das doch, daß zwar illegal kopiert wird. Es zeigt aber auch, daß die Industrie wenigstens über den Absatz der passenden Berater und den Tips den Verlust daraus zum Teil wieder entgegensteuern.

Allerdings sehe ich für die Zukunft da doch Probleme. Hin und wieder einen Gamebuster zu gebrauchen ist nichts verwerfliches. Doch macht es tatsächlich Sinn, wenn zukünftige Spiele - bis auf wenige Ausnahmen - nur noch per Cheat, Code oder passenden Spieleberater zu meistern sind ? Rechnet man da die Kosten für ein Spiel zusammen, dann kommt man pro Spiel auf gut 150 - 250 DM ! Ohne zu bedenken, daß auch diese Gamebuster ein "Verfallsdatum" haben und es mittlerweile auch da Upgrades gibt, mit denen man nur die neuesten Spiele durchzocken kann. Da gerade die sehr guten Spiele noch gut mehr als 100 DM kosten und man auch immer mal wieder sich zusätzliche Hardware wie z.B. das Rumble Pak, die 4 MB-RAM-Karte oder einen Controler-Pak kaufen muß, ist diese Entwicklung etwas bedenklich. Glücklicherweise steurt in diesem Punkt Nintendo etwas gegen und bringt Spiele wie ZELDA64 für knapp 100 DM heraus. Auch TUROK2 wird so ungfähr in diesem Rahmen zu haben sein. Die Preise für Module von Drittherstellern sind aber oft viel höher. Dies kann sicherlich nicht im Sinne von uns Spielern sein. Für die N64-Konsole ist diesbezüglich auch noch nicht Alarm zu schlagen. Dafür ist das Teil einfach noch nicht so lange auf den Markt und die Softwaredichte zu gering. Schaut man aber mal auf die PSX, so wird einem schnell klar, daß die Verkaufszahlen für grafisch, soundtechnisch und gameplaytechnisch hervorragende Spiele wie COLONY WARS oder G-POLICE z.B. nicht so hoch wie erwartet sind. Ein gutes Stück Software bleibt dem "Normalzocker" also vorenthalten. Da die Spieledichte für das N64 eh nicht sooo riesig ist (noch nicht), wäre es fatal, wenn diese Entwicklung auch beim N64 vorangetrieben wird. In dem Sinne wünsche ich noch viel Spaß - mit oder (vielleicht besser) ohne Schummeln !

Oliver

Magazin64@aol.com