Antwort auf den Leserbrief von Matthias Schmäh

Von Oliver Mühleisen.

Einen fröhlichen Gruß hinaus ins Netz und allen N64-Spielern !

Lustig ist die Entwicklung der Diskussion über die Zukunft des N64 und der Politik von Nintendo. Nett von Dir Matthias, dass Du die Versuche einer TV-Sendung bzw. von mehreren TV-Sendungen aufzählst. Wie Du ja berichtest, hatten diese keinen Erfolg oder waren schnell wieder verschwunden. Ob es am Konzept (Spielshow etc.) oder am Sendetermin (Sonntags um 9 Uhr !) lag - nun, das mag jeder selber beurteilen. Ein Hinweis auf die ach so tolle Strategie von Nintendo. Ich denke, dass ein gutes Konzept (Previews, Interviews, Gewinnspiele, Testberichte etc.) richtig platziert heute Erfolg haben könnte. Doch wenn BigN meint, dass dies nicht mit Erfolg beschieden wäre -- gut oder eben auch nicht.

Was die Marketingstrategie von Nintendo anbelangt. Nun - mag sein, dass damals in den USA das Mega-Drive tatsächlich sich besser verkaufte und vom "Kuchen" ein großes Stück ausmachte. Aber in Japan sah es eben anders aus. Und die Situation des N64 in Japan ist eben heute anders als früher. Auch bei der Markteinführung des N64 war dem so.

Die Kunst des wirtschaftlichen Überlebens ist die Begabung sich schnell und flexibel auf sich laufend ändernde Situationen einzugehen. Der Asia-Markt ist eben anders einzustufen als der amerikanische oder europäische Markt. Die Niederlassungen dort, die mittlerweile als sog. profit center und damit als quasi selbständig geführt werden, erhalten aber immer noch die große Leitlienie von Japan vorgeschrieben. Ein Merkmal hierfür ist die Tasache, dass diese Niederlassungen von Japanern geleitet werden. Selbst die US-Bastion steht nun unter japanischer Leitung. Grundsätzlich halte ich das nicht für falsch, doch die japanische Denkweise trifft eben nicht immer den Geschmack der Spieler. Sicher, dieses "Problem" hat auch Sony mit der PS. Doch die Masse an außerjapanischen Entwicklern ist hier weitaus größer, so dass dieser Punkt nicht so die Rolle spielt. Leider kenne ich nicht persönlich die Leute, die den Wirtschaftskreislauf planen, da hast Du Matthias mir was voraus. Ich weiß nur, dass dieser Kreislauf von vielen beeinflußt wird und praktisch nicht berechenbar ist. So groß Nintendo auch sein mag - es ist ein kleines, kleines Rädchen in diesem Uhrwerk.

Allerdings gebe ich zu Matthias, dass ich bisher nicht gewußt habe, dass RARE eine 100%ige Tochter von Nintendo ist bzw. dass RARE Nintendo gehört. Wenn dem so ist, dann stimmen meine Aussagen natürlich nicht. Aber ich glaube, dass sich die Firma RARE LTD. wohl dagegen verwahren würde. Sobald das Mag´64 ein Interview mit RARE plant, werde ich diese Frage aber versuchen vorzubringen. Die Antwort interessiert mich sehr.

Thema Werbung: Also bisher dachte ich, dass man Werbung betreibt, um neue (!) Kunden dazuzugewinnen und um bestehende Kunden "bei der Stange" zu halten. Ob allerdings ein Vertreter der von Nintendo anvisierten Zielgruppe sich tatsächlich das "Club Nintendo Magazin" kauft, obwohl er (noch) gar kein N64 hat, kann ich nicht beurteilen. Sony scheint wohl hier sich auf dem Holzweg zu befinden, denn die machen eben die von mir und Dir angesprochene Werbung auch und gerade bei Großveranstaltungen, um neue Kunden zu erhalten. Als ich vor einiger Zeit im Kino war, da sah ich im Werbeblock eine Werbung für den zweiten Teil des PS-Spiels "Colony Wars". Eine sehr gute Werbung, wie ich fand. Von Nintendo keine Spur - vielleicht in einem anderen Kino ? Ich find auch, dass die TV-Werbung von Nintendo gut ist - da sind wir einer Meinung. Doch man sieht sie zu selten und wenn, dann auf Kanälen, die nicht unbedingt so überproportional eingeschaltet sind - mit nur wenigen Ausnahmen.

Als "auch" PS-Spieler möchte ich mich dennoch dagegen wehren, dass Livestyle und Raubkopieen zusammengehören. Klar werden auf dem Schulhof mehr PS-Spiele für 5 oder 10 Mark verkauft als N64-Spiele. Doch auch für eine Gold-CD-R braucht man eine PS - somit boomt der Hardware-Abverkauf, während die Top-Spiele nach kurzer Zeit im Regal liegen bleiben. Ich denke, dass man hier preislich einiges machen sollte. Nicht der Händler, sondern Sony und die Entwickler sollten sich die Preise überlegen. Man schaue nur sich den Abverkauf der sog. "Platinum-Serie" an. Die werden sicherlich nicht gekauft um damit Raubkopien zu erstellen. Würde der Preis für eine CD bei 50 bis 70 Mark liegen (ebenso die Cartridges vom N64), so würde sich m.E. das Problem zumindest entschärfen. Aber mit dem Thema Raubkopieen müssen wir wohl alle leben. Jeder frage sich selber, welche Programme auf dem eigenen PC tatsächlich original sind. Da bekommt Bill Gates in manchen Fällen wohl ganz schön rote Ohren.

Bei dem Thema DVD stimme ich zu. Wie ich jetzt gelesen habe, wird weder die PS 2 noch der Dolphin Spielfilm-DVD´s ohne Zusatzgeräte abspielen können. Bereits in kurzer Zeit werden DVD-Brenner in den PC´s schlummern. Dies ist doch nur eine Frage der Zeit. Mit dem Brenner kommen auch die Kopieen - so ist es nun einmal. Schlecht für Sony + Nintendo + SEGA - doch man kann dieses Problem nur eindämmen, nicht beseitigen. Was man aber beseitigen kann, ist der MÜLL, den man den Spielern mit Spielen wie "Superman 64" und anderen antut. Solche Spiele gehören nicht in ein N64-Modulschacht. Da aber auf dem Karton das Nintendo-Qualitäts-Siegel prangert, frag ich mich wirklich, wohin das noch führen soll.

Abschließend denke ich, dass wir einfach mal abwarten, was so auf uns zukommt. Wir Spieler haben nur wenig Einfluß auf die Geschicke bei Nintendo. Wollen wir alle hoffen, dass die "grauen Herren" wissen was sie tun.

Viel Vergnügen noch,
Oliver Mühleisen

Magazin64@aol.com