
Von
Oliver Mühleisen.
Eigentlich sind sich doch alle Spieler einig: ein Videospiel sollte so
realistisch wie möglich sein und/oder sehr viel Spielspaß mitbringen. Was wäre
Golden Eye ohne den tollen Polygon-Tod der bösen Russen ? Bei SOTE explodieren
feindliche Angreifer, bei Banjo-Kazooie haut ein spitzer Schnabel den
Widersacher den Kopf ein, bei SM64 wirft man den Oberbösewicht auf eine Bombe,
welche samt diesem dann in die Luft geht. Ach ja, bei Turok fliegen die erlegten
Dinos meterhoch durch die Luft und das tierische Geschrei der sterbenden Echsen
hallt von den Wänden wieder. Bei Top Gear Overdrive kann man die Mitstreiter vom
Weg abdrängen damit diese dann einen Verkehrsunfall haben. Selbst bei Zelda
spritzt (grünes) Blut, wenn die Zombies bekämpft werden. Der ehemals
feuerspeiende Drachenkopf landet als Gerippe und/oder als Trophäe vor einem auf
dem Boden. Ganon schlägt man wie wild auf den Schwanz und dann auf den Kopf !
Die Gerippe in der Steppe von Hyrule werden Knochen für Knochen erledigt. Manche
Gegner sprengt man auch hier in die Luft. Man könnte unendlich fortfahren, wenn
man die scheinbare Gewalt in Videospielen sucht. Wahrheit ist aber: es ist ein
Spiel ! Genauso kann ich - wenn ich will - argumentieren, daß man bei "Mensch
ärgere Dich nicht !" dem Mitspieler vor Wut an die Gurgel gehen kann. Sobald man
den Unterschied zw. Spiel und Realität nicht mehr wahrnimmt, wirds gefährlich.
Selbstverständlich entführen die guten Vertreter der Videospiele einen in eine
fremde - auch z.T. scheinbar gefährliche - Welt. Doch das ist so gewollt und
wird auch erwartet. Dennoch handelt es sich um ein Spiel !
Würde man der Argumentation mancher "Gewaltgegner" folgen, so müßte
man z.B. all die o.g. Spiele entschärfen oder erst gar nicht erschaffen. Übrig
blieben nur die Geschicklichkeitsspiele !
Wäre das nicht ebenso eine Armut im geistigen Sinne ? Wie im wahren Leben gilt
eben auch bei den Spielen der Grundsatz: "Die Mischung macht das Gift !". Bieten
brutale Spiele eben nur Gewalt, dann muß man diese ja auch nicht spielen. Doch
was, wenn dieses Spiel neben der Gewalt ein Feuerwerk an Grafikfreuden und
Spielspaß beinhaltet ?
Ich halte rein gar nichts von einer Reglementierung - weder für eine noch für
eine andere Seite. Die Frage, ob ein Spiel geschmacklos ist oder nicht kann
meiner Meinung nach nicht von der Gewalt, der Blutfontainen oder der Anzahl der
Knochenbrüche abhängig gemacht werden. Ein Videospiel und dessen Verkaufszahlen
spiegelt die Nachfrage in der Gesellschaft wieder. Wer DOOM oder QUAKE spielt,
der will nicht lange diskutieren sondern ballern ! Wer kein Blut will, der soll
sich halt ein Puzzle kaufen aber bitte nicht andere Spieler bevormunden.
Der Zeitgeist scheint heute in allen Gebieten Moral, Anstand und Gewaltfreiheit
zu implementieren - obwohl im realen Leben es hier sehr oft mangelt. Obwohl man
sich im realen Leben nicht vor Gewalt schützen kann, versucht man dies in der
Welt der Videospiele immer wieder zu erreichen. Doch all den Skeptikern sei
gesagt: schaut doch die Spiele genau an ! Hat man nämlich die unzähligen Gegner
beseitigt und den Obermotz in die ewigen Jagdgründe gejagt, herrscht zumindest
im Polygon-Universum der "absolute Frieden". Damit kann man doch die Hoffnung
vermitteln, daß es in der realen Welt vielleicht auch mal so sein wird. Ob der
Weg dahin friedlich oder nicht sein wird, weiß niemand !
Sicherlich ist mit dieser absoluten Freiheit aber auch eine Verantwortung
verknüpft. Doch diese entwickelt sich mit einer guten Erziehung und
Beobachtungsgabe sowie durch Erfahrung,nicht durch Verbote und Verharmlosungen !
Aus diesen Gründen wünsche ich allen Ballerfreunden und Brutalo-Spielern viel
Vergnügen und den Andersdenkenden ebenso bei dem Spiel ihrer Wahl.
Wie sagte eine kluge Frau: "Die Freiheit des Menschen ist die Freiheit des
Andersdenkenden !" Verantwortung, ja - Reglementierung nein !
Euer Oli
Hallo Matthias