Leserbrief zum Thema des Monats Oktober

Von Muli.

hallo leser,

seit nun zwei jahren gehöre ich zum reigen der N64-spieler und habe seitdem die entwicklung in bezug auf computerspiele und hardware, sowohl im PC- als auch im konsolenbereich aufmerksam verfolgt. was erwarte ich nun von einer konsole, die zum neuen millenium auf den markt gebracht wird. da ist zum einen die hardware, die in bezug auf 3D-fähigkeiten in den letzten beiden jahren quantensprünge gemacht hat, die prozessoren, die ihre leistung vervielfacht haben und zuletzt noch die möglichkeit über ein globales netzwerk mit anderen spielern das gemeinsame hobby zu teilen. der zweite aspekt ist die software und hier seien spiele, was sonst, zuerst genannt. auf andere nette sachen werde ich später noch eingehen. das dolphin sollte für mich eine wesentlich höhere performance bringen, als alle bis dahin auf dem markt erschienen konsolen. dies dürfte nintendo nicht allzuschwer fallen, da big N mal wieder das schlußlicht ist. zudem müßte die software so zu programmieren sein, daß sie alle technischen möglichkeiten der hardware von ANFANG an 100%ig ausreizt. was nützt mir die nach technischen werten schnellste konsole, wenn die hardware an bits und bytes zu knabbern hat, die konkurrenzprodukte dann wieder einmal besser aussehen läßt.

betrachtet man den derzeitigen stand, hat der dreamcast die höchste rechen-/grafikleistung - kein wunder, das teil ist ja auch brandneu. zwischen dem N64 und der PSX liegen zwar keine welten, dennoch hat die PSX trotz ihrer schwächeren hardware für mich generell die bessere grafik und dabei meine ich nicht irgendwelche abgespielten zwischensequenzen, sondern das gameplay selbst. sollte hier nintendo wieder murksen (und das meine ich echt so) sehe ich die distanz zwischen sony und nintendo noch größer werden. das dreamcast hat meines erachtens nur sehr geringe chancen ein hit zu werden. sega entwickelte zu beginn der großen 3D-neuerungen und konnte seiner konsole somit zuwenig auf den weg mitgeben. die ankündigung von sony innerhalb eines jahres mit einer neuen konsole auf den markt zu kommen, tut ein übriges - die zeit kann man mit den aktuellen und noch erscheinenden spielen leicht überbrücken.

doch zurück zum thema. technische daten allein machen für mich noch keine gute konsole aus. die ausstattung und das NÖTIGE zubehör spielen eine weitere für mich sehr wichtige rolle. da ist zum einen die konsole selbst. bisher sah es da für das N64 mehr als bescheiden aus. das teil taugte nur zum spielen - was ja auch irgendwie der zweck für so ein ding ist. wenn ich nun aber sehe, daß eine PSX audio-cd's wiedergeben kann, die möglichkeit besteht per link-kabel zwei konsolen zu verbinden (die grandioseste erfindung seit es konsolen gibt) und noch anschlüße für PC vorhanden sind (welchen zweck sie auch immer haben mögen), dann finde ich sollte hier nintendo schleunigst aufrüsten. die fähigkeit der PSX2 DVD-video's wiederzugeben ist ein feature, das nicht zu unterschätzen ist. die DVD wird nicht ganz den siegeszug wie seinerzeit die audio-cd machen, aber sie wird sich ein gehöriges stück vom kuchen abschneiden. wenn man nun bedenkt, daß derzeit ein DVD-player (set top-gerrät) kaum unter 600,-DM zu haben ist, ich auf dieses medium aber nicht verzichten möchte, kann man damit zwei fliegen mit einer klappe schlagen. ganz abgesehen davon, daß audio-cd's auch wiedergegeben werden können. die software des PSX zielte von anfang an auch auf einen älteren personenkreis ab - warum ??? ganz einfach, weil die die kohle haben. was nützt es, wenn ich die besten spiele für unsere kleinen habe, aber mami und papi keine mark dafür locker machen. eine anschaffung ist das vielfache wert, wenn mehrere personenkreise davon profitieren können. spiele für die kiddies und und DVD-gucken für papi. sollte matthias schmäh mit seinem leserbrief recht behalten, daß es zwei unterschiedliche dolphin geben sollte, steht für mich fest, welche angeschafft wird - auch wenn diese 100,- DM oder mehr zusätzlich kosten sollte. Als nächstes würde ich mir wünschen, daß die anschlußmöglichkeiten in der art erweitert würden, daß zu einem "gewöhnlichen" scart-ausgang zusätzlich ein S-VHS ausgang und ein PC-VGA-ausgang installiert wären. reine audio-ausgänge, vielleicht auch in digitaler form sollten selbstverständlich sein. die möglichkeit S-VHS wiederzugeben unterstützen mittlerweile alle durchschnittlichen TV-geräte und die bildqualität ist einfach besser. der VGA-ausgang würde es erlauben, das dolphin an einen PC-monitor anzuschließen - dies wäre dann, bei endsprechender ausgegebener auflösung high-end. nun werden sich einige fragen, wozu ? einen fernseher hat jeder der sich eine konsole kauft, einen PC nicht. zudem sind die noch handelsüblichen PC-monitore meist kleiner in der bilddiagonale als der heimische fernseher. das ist richtig, damit wäre aber die konsole nicht nur in mamis guter stube einsetzbar, sondern vielleicht auch in papis arbeitszimmer ;-))). auch eine verbindung zwischen zwei konsolen sollte einfach zum standart gehören. zuletzt wäre noch eine verbindung zwischen dem dolphin und einem PC wünschenswert. auch hier geht die PSX2 vorbildlich neue wege. USB und IIIE1394 (firewire) gehören hier zum grundgerät. über die online-fähigkeiten möchte ich nur soviel sagen, daß ein modem, ob intern oder extern, ein absolutes MUSS ist. diese thema wurde schon vor einiger zeit hier diskutiert und deshalb möchte ich auch nicht weiter darauf eingehen.

nachdem nun das dolphin ja auch nicht mehr die möglichkeit hat, spielstände auf dem spielmodul zu speichern, wird der einsatz von memory-cards unumgänglich. die vorteile sind bekannt und bedürfen eigentlich keiner weiteren erwähnung. der austausch dieser daten, egal auf welchen weg, darf nicht vernachlässigt werden. endlich wäre die möglichkeit da, wettbewerbe zu starten, in denen die highscores problemlos transferiert werden könnten. interact hat mit dem dex-drive da schon weitergedacht. eine gute idee, die mittlerweile die memory-cards des dreamcast unterstützen, ist, daß auf der memory-card ein lcd-bildschirm ist, auf dem infos angezeigt werden, die nur vom jeweiligen spieler gelesen werden können - ein interessantes feature, das neue möglichkeiten bietet.

nun noch etwas, wie man es eigentlich nur vom PC her kennt, nämlich die möglichkeit, die hardware zu erweitern. da hat das N64 nun endlich mal ein dickes plus auf seiner seite. der slot für das ram-pak und die möglichkeit ein ein wechselplattenlaufwerk (64DD) anzuschließen. einziger schatten dabei ist, daß es mehr als drei jahre gedauert hat, bis die speichererweiterung in erwägung gezogen wurde und das 64DD derzeit nur für den japanischen markt geplant ist - wirkich schade. ich gehe jedoch davon aus, daß es bald auch bei uns zu haben sein wird. das soll aber nicht heisen, daß ich mir das 64DD in jedem fall zulegen würde; es müßte auch die entsprechende software da sein. als leidenschaftlicher fan von f-zero x hat aber nintendo schon ein heißes eisen für mich im feuer - let's hope. dieses wird nun aber für das dolphin nicht mehr nötig sein, die DVD sollte genügend platz bieten. aber solche sachen wie einen speicherausbau oder die möglichkeit vielleicht sogar die prozessoren zu wechseln sollte auf keinen fall vergessen werden. der anschluß von anderer hardware setzt natürlich entsprechende schnittstellen voraus, wie ich sie oben bereits beschrieben habe. gerade für onlineaktivitäten wäre eine tastatur unbedingt erforderlich. die funktion der maus könnte der controller übernehmen. und damit sind wir nun bei den joypads. die ergonomie der N64-controller ist unerreicht, keine frage. das ding liegt in der hand wie reingewachsen. schade ist nur, daß es nur einen analogen stick hat. die möglichkeiten des dual-shock der PSX sind ungemein höher. zumal noch das N64 die einschränkung auf zwei analoge achsen hat, also beim besten willen nicht mehr geht. absolut nervig ist der wechsel von memorycard und rumble-pak. auch hier waren die jungs bei sony wieder schlauer. da stecken gleich zwei motoren mit unterschiedlicher vibration im controller. als das erste rumblepak für das N64 auf dem markt kam, wo man zusätzlich die memorycard einsetzen kann und "nur" einen schalter betätigen muß, war ich etwas zufriedener. hier sollte nun nintendo auf keinen fall zu stolz sein und die ideen von sony einfach übernehmen. ob nun ein slot für weiteres zubehör am controller oder an der konsole sind sei ihnen freigestellt, das ist einfach davon abhängig, was nintendo mit der konsole noch alles vorhat. hierbei möchte ich kurz auf den brief von matthias schmäh eingehen. die idee das dolphin als bildtelefon zu nutzen halte ich sehr hoch gegriffen. hat sich das bildtelefon der telekom nicht sonderlich durchgesetzt, wird sich das mit dem dolphin nicht wesentlich ändern. zudem bietet das derzeitige netz auch nur üngenügende kapazitäten und der ausbau von ADSL steht noch am anfang. zuletzt möchte ich noch etwas auf die software eingehen. wie oben bereits geschrieben sollte die hardware so aufgebaut sein, daß die programmierer nicht erst drei jahre an know-how brauchen um grafisch ansprechende spiele zu programmieren. wenn man sich spiele wie worlddriver-championship ansieht und man dann liest, daß für dieses spiel das ram-pak nicht genutzt wird (genauso ist es meines wissens auch bei ridge racer), frage ich mich, ob die programmierer jahrelang geschlafen haben. sicher gehört etwas erfahrung dazu hardware auszureizen, doch wenn ich wieder den vergleich mit der PSX mache, es sind doch die selben firmen, die die spiele programmieren. aber auf der PSX sehen sie (fast) alle besser aus. andere software, wie malprogramme oder progs zum bearbeiten von bildern der gameboy-camera sind nettes beiwerk; sie spielen aber für mich keine große rolle. die möglichkeit mit der konsole im internet zu surfen vielleicht schon eher. hier besteht aber die gefahr, daß durch die schnelle technische entwicklung des internet mit immer mehr plug-ins (shockwave etc.) die konsole bald nicht mehr aktuell sein wird. gut, die software kommt von der DVD den rest macht die konsole, aber wie sieht es mit der speicherung von inhalten aus. eine möglichkeit wäre die daten auf den memorycards zu speichern, nur wie kann ich sie dann weiterverarbeiten ? die andere möglichkeit wäre der anschluß an den PC und die speicherung auf der dortigen festplatte. nur wenn ich einen PC habe, surfe ich nicht mit der konsole.

auf ein thema möchte ich noch eingehen, das vor allem die softwarefirmen ärgert - den raubkopien. in bezug auf den brief (wieder) von matthias schmäh möchte ich sagen, daß es für einen hardcore-zocker kein kriterium für die anschaffung einer konsole ist, ob man die spiele problemlos kopieren kann. als ich 1994 meinen ersten PC kaufte, glaubte man damals die cd-rom sei das medium schlechthin, software dauerhaft vor raubkopien zu schützen. es dauerte keine zwei jahre und die cd-brenner waren zu erschwinglichen preisen zu haben - mittlerweile gehören sie auch schon fast zum standart. wer spielen möchte, wird in den für ihn sauren apfel beißen und sich die scheibe kaufen. für mich ist es nur eine frage der zeit, bis wieder jemand sich daran macht den kopierschutz zu knacken und eine entsprechende hardware liefert um die spiele zu kopieren. Meines erachtens wird die PSX2 ein voller erfolg und nur nintendo wird in der lage sein diesen run zu bremsen, aufhalten kann sie ihn auf keinen fall. dies wird ihnen aber nur gelingen, wenn sie besser sind als sony und nicht zu lange mit der präsentation warten. ich werde mir nach erscheinung der PSX2 vorerst keine solche kaufen, sondern abwarten, was nintendo aus seinem neuen, ultimativen produkt macht. sollte mich das dolphin aber nicht überzeugen, werde ich, ohne mich dafür zu schämen, die lager wechseln.

happy gaming, without cheating
muli

Magazin64@aol.com