Re: Nachdenkliches zum Pokemon Hype

Antwort von Alexander Lasch.

Hallo

Da haben wir es wieder: Die Bedrohung der Welt durch einen - diesmal - kleinen grauen Kasten, der die Kinder manipuliert. Und hinter diesem Teufelszeug stehen kranke Hirne, die sich wiederum von noch älteren grauen Kästen manipulieren ließen ... ein Teufelskreis. Diese Argumentationskette ließe sich auf jeden Gegenstand anwenden, der in irgendeiner Weise mit Fiktionen spielt: Die 'reale Welt' wird durch Fiktionen stets verzerrt. Und gerade dadurch ziehen uns Romane, Erzählungen, Märchen, Theaterstücke, Kinofilme usf. und eben auch Video- oder Computerspiele in ihren Bann. Video- und Computerspiele regen darüberhinaus aber auch zum Mitmachen an, man wirkt an den Stoffen mit. Und das im wörtlichen Sinne.

Wenn man nun aber das Spielen pathologisiert, so wie Frau Pohl paradigmatisch vorführte - dazu gehört auch das unverfrorene Übertragen eines Einzelfalles auf die Allgemeinheit -, dann wird aus dem produktiven Umgang mit der Fiktion die Flucht aus der Realität. Und das ist - wie man sagen muss - ein elendiges Thema. Kaum ein Spieler, der sich nicht schon tausendmal damit auseinandergesetzt hätte. Frau Pohl: Ihre Zeilen, auch wenn sie annehmen, Grund zur Besorgnis zu haben, sind nur ein Teil dessen, was uns Spielern jeden Tag engegenschwappt. Die notorische Ignoranz der grauen Masse, die uns als verkümmerte, glotzäugige und abhängige Kreaturen ständig therapieren will, tut weh. Zur Illustration: Ich bin 24 Jahre alt, lebe glücklich mit meiner Freundin in Dresden, schließe mein Lehramtsstudium für Deutsch und Geschichte am Gymnasium in der Regelstudienzeit noch in diesem Jahr ab und habe tatsächlich Freunde - obwohl ich MasterSystem, MegaDrive, SNES, N64 und Dreamcast besitze und natürlich auch spiele.

Und der Pokémon-Hype - der ist bald vorbei.

Viele Grüße
Alexander Lasch

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