
Leserbrief von
Heinz Bren.
Es ist mir bewusst, dass das folgende Thema für den N64 eigentlich gar keines
ist. Jedenfalls nicht für den Moment. Denoch möchte ich dies mal einfach so als
Diskusionspunkt in die Runde bringen.
Das Thema dieses Leserbriefes behandelt die Softwareentwicklung in der heutigen
Zeit.
Es ist Euch bestimmt auch schon passiert, dass Ihr ein neues Spiel gekautt habt.
Voller Vorfreude zu Hause die Verpackung aufgerissen habt in neugierig die CD
ins Laufwerk einlegtet.
Nach einer mehr oder weniger fehlerfreien Installation konntet Ihr Euch in Eurer
neuen Erwerbung vertiefen. Nach kurzer Zeit stellt sich auch schon der erste
Absturz ein. Nun gut, schnell ins I-Net und nachsehen, ob über dieses Fehler
schon etwas bekannt wurde und ob es auch schon einen entsprechenden Patch zur
Fehlerbehebung gibt.
Je nach Glück steht ein entsprechender Patch schon zur Verfügung und sonst ist
bestimmt schon ein Hinweis des Herstellersvorhanden, dass das Problem bekannt
sei und an einem Patch gearbeitet wird. Nun spielt Ihr so weiter und speichert
einfach öfters als gewöhnlich ab um auf einen weiteren Absturz vorbereitet zu
sein. Da stellt sich doch schon der nächste Fehler ein. Doch diesmal handelt es
sich um einen inhaltlichen Fehler. Man bleibt beispielsweise an einer bestimmten
Stelle hängen, man hat etwas übersehen oder eine falsche Aktion ausgeführt. Im
schlimmsten Fall stellt sich der Fehler insofern ein, dass man einen
Speicherstand gar nicht mehr laden kann.
So findet man über einen meistens sehr kurzen Zeitraum die unterschiedlichsten
Fehler. Schnell bekommt man ein bis zwei Seiten mit Unzulänglichkeiten zusammen.
Die Softwarehersteller können es aber gelassen nehmen. In der heutigen Zeit hat
ja jeder Benutzer einen I-Netanschluss und kann sich problemlos einen
entsprechenden Patch oder ein Service Pack runterladen. Es spielt dabei ja keine
Rolle, wenn sich der Patch in der Grössenordnung von mehreren Megabytes bewegt.
Der Benutzer ist ja schliesslich geduldig und er möchte diese Software ja auch
haben. Also nimmt er auch solche Dinge stumm in Kauf.
Die Benutzer werden also im Endeffekt als Tester für die Software missbraucht.
Zusätzlich entstehen dem Benutzer auch noch Kosten (Onlinegebühren), um die
Fehler mit einem entsprechenden Patch zu beheben. Ist die Kundenbeziehung
mittlerweilen an einem Punkt angelangt, an dem wir nur noch DAU's sind? Da ja
ein potentieller Fehler immer beim Kunden liegen muss. Entweder ist es ein
Treiber- oder sonst ein Konfigurationsproblem. Im schlimmsten Fall hat man eine
abstruse Systemkonfiguration.
Lange Rede, kurzer Sinn. Im Zeitalter der weltweiten Datenkommunikation fühlen
sich viele Softwarehersteller nicht mehr verpflichtet, qualitativ hochwertige
Softwareprodukte zu entwickeln. Jeder Fehler kann ja über das I-Net mit einem
Patch behoben werden. Weshalb sind dann die Spiele für eine Konsole (speziell
N64) zu 99% fehlerfrei?? Geben sich die Entwickler einfach nur mehr Mühe?? Sind
sie einfach kundenorientierter als die "normalen" Softwareentwickler???
Nein. Der Grund ist so simpel, dass man ihn eigentlich gar nicht erwähnen muss.
Bei einem Spielmodul hat man ziemliche Schwierigkeiten einen Patch zu liefern.
Da gibt es keinerlei Möglichkeiten eine Fehlerkorrektur durchzuführen. Wie sieht
das ganze aus, wenn auf einer Nintendo-Konsole plötzlich ein
wiederbeschreibbares Medium eingesetzt wird? Womöglich eine Konsole mit
eingebautem Modem, das einen I-Netzugriff sofort und problemlos ermöglicht??
Wie wird sich in einem solchen Fall die Qualität der Spiele verhalten?? Beginnen
dann die Entwickler auch zu schlampen?? Wie können wir als Benutzer uns
verhalten? Firmen einfach rigoros boikottieren?? Die Situation stillschweigend
in Kauf nehmen?
Wie seht Ihr das? Was habt Ihr für eine Meinung zu diesem Thema?? Wie gesagt,
momentan ist dies ja noch nicht der Fall. Es ist aber nur noch eine Frage der
Zeit, bis wir auch auf den Konsolen an diesem Punkt angelangt sind.
In diesem Sinne bin ich mal auf Eure Gedanken zu diesem Thema gespannt.
Greetings from switzerland
Hallo Zusammen
Heinz