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Geschrieben von Dmitri Kononenko
Mögt ihr Knete? Habt ihr früher genau so gerne mit diesen „PlayDoh-Knete-Dosen“ gespielt wie ich? Wenn ja, dann könnte Clayfighter 63 1/3 von Interplay alte Kindheitserinnerungen in euch wecken! Der Ende Oktober 1997, gut 7 Monate nach dem PAL-Start des Nintendo 64, veröffentlichte Nachfolger des SNES-Slapstick-Beat´em Ups „Clayfighter 2“ machte nämlich seinerzeit weitaus mehr Spaß als viele andere, ebenfalls damals erschienene N64-Kampfspiele, wie z.B. das indizierte Mortal Combat, War Gods oder Dark Rift. Dies lag aber weniger an den Qualitäten von Clayfighter selbst, als eher an der Tatsache, dass die restlichen N64-Beat´em Ups bis auf eine Ausnahme (Rare´s indiziertes Killer Instinct Gold) damals einfach nur grottenschlecht waren! Steckt man das 64 Mbit fassende Clayfighter 63 1/3-Modul in sein N64 und schaltet die Konsole ein, so sieht man gleich zu Beginn des Spiels das Logo von Clayfighter zusammen mit einer kleinen, einsamen Insel und dem Hauptmenü des Spiels darunter, dass sich aus den Punkten „Game Start“ und „Options“ zusammensetzt. Unter „Options“ kann man verschiedene Spieleinstellungen von Clayfighter verändern. Dort kann man z.B. den 5-stufigen Schwierigkeitsgrad wählen, der von „Cookie“ (sehr leicht) über „Normal“, „Whoa!“ und „Dude“ bis hin zu „Psycho“ (extrem schwer) reicht. Leider ist das Spiel ausschließlich in englischer Sprache gehalten, die jedoch so simpel ist, dass keine allzu großen Englischkenntnisse verlangt werden, um mit Clayfighter 63 1/3 klarzukommen. Wählt man im Hauptmenü von Clayfighter den Punkt „Game Start“, so kommt man gleich zur Kämpferauswahl dieses Prüglers. Neun absurd-lustige Kämpfer, darunter ein militaristisch veranlagter Hase, ein offensichtlich an Magersucht leidender Voodoo-Priester, ein sehr tuntig aussehender chinesischer Koch und der allseits bekannte Earthworm Jim, allesamt aus Knete geformt (daher auch der Name des Spiels), stehen sofort zur Auswahl. Insgesamt sieben weitere Kämpfer können auf den höheren Schwierigkeitsstufen noch freigespielt werden, sodass man auf eine Gesamtkämpferanzahl von 16 kommt. Leider hat Clayfighter 63 1/3 überhaupt keine Speichermöglichkeit! Weder einen Modulspeicher, noch eine Controller Pak-Unterstützung, noch ein Passwort-System wollten die Entwickler von Interplay dem Spiel spendieren. Für das an sich sehr kurze Kampfgeschehen ist eine Speichermöglichkeit auch nicht besonders erforderlich, doch um seine freigespielten Bonuskämpfer (u.a. einen übergewichtigen Sumo-Weihnachtsmann) auch langfristig zu sichern, wäre so etwas durchaus sinnvoll gewesen. Eine Rumble Pak-Unterstützung weist Clayfighter 63 1/3 ebenfalls nicht auf und auch eine Intro, die dem Spieler die Geschichte des Spiels näher bringt, gibt es leider nicht. Doch laut dem witzigen Clayfighter 63 1/3-Handbuch lautet die Story wie folgend: Der verrückte Dr. Kiln hat nach einem mysteriösen Meteoriten-Einschlag in seinem Labor mehrere böse Knet-Kämpfer erschaffen und will mit ihnen die friedliche Insel „Klaymodo“ beherrschen. Earthworm Jim und seine Riege guter Knet-Kämpfer haben nun die Mission, Dr. Kiln´s Fighter in vielen harten Kämpfen zu besiegen und schließlich den Doc höchstpersönlich zu vermöbeln. Hat man sich in der Kämpferauswahl für einen Protagonisten entschieden, so wählt die CPU den ersten Gegner aus. Vorrausgesetzt, man spielt im 1-Spieler-Modus. Clayfighter 63 1/3 hat nämlich (wie jedes halbwegs renommierte Beat´em Up) auch noch einen 2-Spieler-Modus zu bieten, in dem man sich mit seinem besten Kumpel prügeln kann, bis die Knetfetzen fliegen. Nachdem der erste Kontrahent feststeht, geht nach einer kurzen, optischen Vorstellung der Kampfstätte auch schon der erste Fight los. Mit einem energievollen „Let´s get ready to Cruuuuuumble!“, gebrüllt von Michael Buffer, dem berühmten amerikanischen „Let´s get ready to Rumble!“ Boxkampf-Ringsprecher, den man für Clayfighter 63 1/3 verpflichtet hatte, wir der Kampf eingeläutet. Die Steuerung der Figuren erweist sich als sehr simpel und geht nach einiger Eingewöhnung leicht von der Hand. Man steuert den Fighter entweder mit dem Analogstick oder mit dem Steuerkreuz und führt per Druck auf A, B und auf die C-Knöpfe einfache und unspektakuläre Angriffe aus. Natürlich sind auch Blocken, Ducken und Springen möglich. Mittels komplizierter und fast unmöglich zu merkender Knopfkombinationen führt man spezielle, sehr spaßige Angriffs-Combos aus, die im Spiel so lustige Namen wie „Itty-Bitty-Combo“ und „Lame-Combo“ haben und mit denen man dem Gegner schon mal die halbe Energieleiste auf einmal abziehen kann. Vorraussetzung für diese Spezialattacken ist jedoch eine volle Combo-Leiste, die sich nach der Ausführung eines Combos erst mal entleert und im weiteren Verlauf eines Kampfes wieder aufgefüllt werden muss. Ein Fight gilt bei Clayfighter als gewonnen, wenn man dem Gegner sowohl die primäre, grüne Energieleiste als auch die sekundäre, gelbe Reserveleiste abgezogen hat. In der sehr lustigen End-Szene eines Kampfes gibt man dem besiegten Gegner dann den Rest und lässt sich als Sieger des Kampfes feiern. Sehr lustig sind auch die Geräusche, die die Kämpfer beim Ausführen der haarsträubenden Attacken von sich geben. Da bezeichnet sich Earthworm Jim schon mal als Cowboy, während er den Gegner mit seinem zum Lasso umfunktioniertem „Wurm-Fortsatz“ auf dem Kopf zu Fall bringt und der Sergeant-Hase drückt sich unmissverständlich mit einem „You suck!“ aus. Anhand dieser Hintergrundgeräusche und auch anhand der abgedrehten Kämpferriege kann man eindeutig feststellen, dass Clayfighter 63 1/3 ein reines Slapstick-Spiel ist, dass von seinen Gags lebt und das keinesfalls ernst genommen werden sollte. Auch die Hintergrundmelodien der Kämpfe sind irgendwie cool und erinnern an die Soundtracks berühmter Hollywood-Filme. Leider lässt die Sound-Qualität im Allgemeinen jedoch zu wünschen übrig und die witzigen Samples hören sich ziemlich dumpf an. Auch die optische Qualität von Clayfighter 63 1/3 ist bei weitem nicht die beste. Man kämpft in optisch relativ abwechslungsreichen, dreidimensionalen Polygon-Arenen, die jedoch sehr linear sind und z.B. keine Gegenstände bieten, mit denen man den Gegner bewerfen könnte. Jeder Kämpfer hat übrigens seine eigene Arena und bei einem entsprechend harten Tritt kann man seinen Gegner auch schon mal durch eine Tür oder eine Wand aus seiner Arena in eine benachbarte Arena katapultieren. Die lustigen Knet-Kämpfer sind flach wie ein Brett und können nur zweidimensionale Angriffe ausführen. Man sieht sie deswegen auch nur aus der Seitenansicht wie z.B. bei Street Fighter 2. Mittels der Z bzw. L und der R-Taste kann man jedoch in den Raum hinein ausweichen und durch längeren Druck auf diese Knöpfe den Gegner sogar um 360° umkreisen. Auch kommt ein 3 D-Effekt in das an sich zweidimensionale Spielgeschehen, indem die Kamera stufenlos ins Kampfgeschehen rein- und rausgeht und dadurch nette 3D-Zoomeffekte an dem Tag gelegt werden. Deshalb würde ich Clayfighter 63 1/3 auch als ein „2 1/2-dimensionales“ Spiel bezeichnen. Die Animationen der Knet-Kämpfer sehen sehr witzig aus, doch sie ruckeln und wirken sehr abgehackt. Zudem ist die Grafik von Clayfighter 63 1/3 viel zu unscharf geraten und die Farben wirken sehr blass! Einem optischen Vergleich mit anderen N64-Prüglern (wie z.B. dem grafisch und spielerisch sehr guten Fighter´s Destiny) hält Clayfighter also nicht statt, einem Gameplay-technischen schon eher, denn allgemein gesehen machen die nicht sonderlich anspruchsvollen Kämpfe gegen die Knet-Monster schon ziemlich viel Spaß. Wobei sie sich jedoch nicht sehr abwechslungsreich gestalten, da wie schon gesagt die Arenen sehr linear sind und man keine Möglichkeiten zum interaktiven Agieren hat. In den Fights, deren Anzahl vom im Optionsmenü eingestellten Schwierigkeitsgrad abhängt, muss man sich bis zum Endgegner durchkämpfen, bei dem es sich um Dr. Kiln in seinem Laboratorium handelt. Dabei nimmt der Schwierigkeitsgrad zwischen den einzelnen Kämpfen kontinuierlich zu. Hat man Dr. Kiln schließlich erreicht, so stellt man fest, dass er ein durchaus leichterer Gegner ist, als viele der Knetfiguren in den Kämpfen davor. Hat man ihn dann besiegt, kommt ein sehr kurzer und unspektakulärer Abspann, in dem per Textfernster erklärt wird, dass man jetzt die Insel gerettet hat und der große Held ist und danach kommen die genau so unspektakulären Credits gefolgt vom „Game Over“-Screen, der signalisiert, dass man Clayfighter 63 1/3 soeben durchgespielt hat. Leider geht das Durchkämpfen bis zum Endboss bei Clayfighter 63 1/3 auch in den schwereren Spielpassagen zu schnell vonstatten und ehe man sich versieht, hat man das Spiel schon auf den ersten drei Schwierigkeitsstufen durchgespielt. Auch die Tatsachen, dass man bei verlorenem Kampf noch viele Continues hat und dass die ersten drei einstellbaren Schwierigkeitsgrade relativ schnell zu durchspielen sind, während die letzten beiden schon fast unfair wirken, schlagen sich nicht gerade positiv auf den Dauerspaß-Faktor von Clayfighter 63 1/3 nieder. Das Spiel ist einfach zu kurz, erfahrene Beat´em Up-Fans zocken Clayfighter 63 1/3 locker an einem halben Wochenende durch. Und außerdem fehlt bei den simplen Hau-Drauf-Kämpfen auch irgendwie die Spieltiefe, da man sich die langen Combo-Knopfkombinationen eh´ nicht merken kann. Aus diesen Gründen komme daher ich zu dem Fazit, dass Clayfighter 63 1/3 ein ziemlich spaßiges Prügelspiel mit gutem Gameplay und einer gewaltigen Portion skurrilem Humor ist, das jedoch wegen seiner schwachen Präsentation und wegen dem langfristig sehr geringen Dauerspaß keine ernsthafte Alternative zu den besseren N64-Beat´em Ups darstellt. Für ein kleines Spielchen zwischendurch ist das Spiel jedoch ganz gut geeignet und auch im 2-Spieler-Modus sind ein paar Fights sehr kurzweilig. Und wegen den nicht übermäßig vielen guten Beat´em Up-Alternativen auf dem N64 sind Interplay´s „Knete-Kämpfer“ meiner Meinung nach auch heute noch für Beat´em Up-Fanatiker durchaus einen Blick wert. Jedoch nur für einen Preis unter 10 €, also für wenig „Knete“ :-) ! INFORMATIONEN:
Name: Clayfighter 63 1/3 BEWERTUNG:
Grafik: 59 % Gesamtwertung: 63 1/3 % :-) Dmitri Kononenko ( DmitriKononenko@hotmail.com), 22.03.2002 |
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