Achtung, Freunde der gepflegten Nostalgie: Nintendo hält für euch hier etwas
sehr Antikes (oder soll ich besser sagen Antiquiertes?) bereit! Etliche „Game &
Watch“- Umsetzungen wurden jetzt originalgetreu auf DSiWare portiert. Ein
Facelifting wie bei der GameBoy Advance-Umsetzung von einigen dieser Klassiker
hat nicht stattgefunden. Stattdessen tut man in diesen äußerst simplen Spielchen
genau dasselbe wie vor inzwischen knapp 30 Jahren. Ihr habt ganz richtig gehört:
Der Quasi-Vorgänger vom GameBoy, damals eben „Game & Watch“ genannt, der noch
ohne austauschbare Module auskam und die Figuren lediglich in dafür vorgesehene
Felder bewegen ließ, erschien in seiner ersten Fassung bereits 1980. „Game &
Watch Flagman“ erschien nur wenige Monate nach „Ball“, der ersten Variante.
Worum geht’s?
Ihr kennt Mario Party oder Mario Party 2? Dann wisst ihr grob, was in diesem
Minispiel zu tun ist. Im Brettspielklassiker hielt Shy Guy für die vier
wetteifernden Charaktere eine rote oder eine weiße Fahne hoch und die Spieler
mussten schnellstmöglich den richtigen Knopf drücken, um die gleiche Fahne zu
heben. „Flagman“ funktioniert genauso, nur mit dem Unterschied, dass ihr hier
zwischen vier Tasten entscheiden müsst.
Was uns gefallen hat…
„Flagman“ ist insofern eine erfrischende Abwechslung im Reigen der Game „Game &
Watch“-Titel, als dass es wirklich mal zwei mehr oder weniger unabhängige Spiele
in sich vereint und nicht nur zwei Schwierigkeitsgrade bietet. Das Mario
Party-Minispiel hat tatsächlich „Game B“ kopiert. Euch werden in recht schneller
Abfolge Kommandos vorgegeben, die ihr schnell und korrekt nachahmen müsst. In
„Game A“ dagegen kommt es darauf an, sich eine stetig erweiternde Liste an
Bewegungen zu merken und sie nachzudrücken. In quasi jeder modernen
Minispielsammlung findet sich eine solche „Ich packe meinen Koffer mit…“-
Variante, hier haben wir vermutlich eine der ältesten digitalen Version vor uns.
Beide Spiele funktionieren, die seltsam abgehackten Animationen spielen in
beiden Fällen keine negative Rolle, da es ja weniger auf Geschicklichkeit
ankommt denn auf Reaktionsvermögen und Gedächtnisleistung.
Mit an Bord ist auch wieder die berühmte Uhrenfunktion: Unter „Time“ seht ihr
eine Art Demo des Spiels ablaufen und darüber wird eine digitale Uhr angezeigt.
Witzig und vor allem originalgetreu, aber vollkommen sinnbefreit.
Was uns nicht gefallen hat…
Ihr solltet den Ton des DSi in jedem Fall auf „stumm“ stellen. Während im Menü
noch die zwar nervige, aber kultige MIDI-Melodie der „Game & Watch“- Reihe vor
sich hin krakelt, bekommt ihr es im Spiel nur noch mit ganz bösen „Fiep“-Tönen
zu tun, wenn euer Flagman eine Fahne oder sein Bein hebt. Wer die kleine
Schwester foltern möchte, zwingt sie, euch bei diesem Spiel zuzuhören. Wobei –
dann müsst ihr es selbst auch ertragen. Der Gedanke ist erschreckend.
Ansonsten gibt es überraschend wenig zu meckern. Das Problem bleibt jedoch, dass
hier für 2 Euro zwei Minispiele verkauft werden, die schon bei Mario Party kaum
länger als wenige Sekunden begeistern.
Fazit:
„Game & Watch Flagman“ bietet anders als viele andere Titel der Reihe immerhin
mal zwei Spielideen. Das Problem ist nur, dass beide Varianten inzwischen einen
meterlangen Bart haben, weil sie so simpel und eingängig sind, dass sie in jeder
moderner Minispielsammlung im Dutzend auftauchen, in der Regel
abwechslungsreicher umgesetzt. Insofern macht „Flagman“ also zwar nichts
Grundlegendes verkehrt, bietet aber auch keinen Mehrwert. Wer aber die Anfänge
erforschen möchte und keine Lust hat, auf dem Flohmarkt nach „Game & Watch“-
Versionen Ausschau zu halten, darf zugreifen.
(Hendrik)
Pluspunkte:
+ zwei Spielmodi
+ 30 Jahre alt und funktioniert trotzdem
+ charmanter Grafikstil von 1980
+ Uhrzeit-Modus,…
Minuspunkte:
- grauenvolle „Fiep“-Töne als „Musik“
- Spielprinzip inzwischen 1000fach kopiert
- …der komplett sinnlos ist.
Wertung:
Einzelspieler: 3,0

Screenshot 1

Screenshot 2

Preis:
200 Nintendo Punkte
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(24.12.2010)